Berg sucht Himmel

 

 

Er beherrscht den Horizont, ist weit und breit einzigartig und wagt es, in den Himmel vorzudringen:

Der Heilige Berg.

Doch anders als der Himmel erlaubt es der Berg dem Wanderer näher zu kommen.

Der Berg setzt dem Horizont Grenzen und leitet meinen Blick; der Weg hinauf bringt mich an meine Grenzen und jeder Schritt weiter läßt mich erfahren, was alles noch möglich ist. Ich dehne mich aus, erkenne falsche Wege, setze neue Ziele, erweitere den mir verfügbaren Raum und genieße das Gefühl unendlicher Freiheit ganz weit oben.

In ähnlicher Weise nähere ich mich dem Bild des Heiligen Berges malend auf der Leinwand: suchend, tastend, meinen Weg immer wieder neu kreierend, Terrain für Terrain erobernd und letztendlich auf mich selbst treffend.

Bei der Arbeit mit Pinsel und Farbe auf Leinwand und Papier will ich die besonderen Eigenarten, die Atmosphäre, die Natur des Berges zum Ausdruck bringen.

Ein wilder und wuchtiger Berg schreit nach einem ebensolchen Farbauftrag, während es einem sanften und stillen Berg in einem Wasserbad mit feinen Linien besser gefällt.

Oftmals entwickeln die Bilder während sie entstehen ein Eigenleben. Dabei folge ich der spontanen Eingebung auf Kosten des ursprünglichen Planes.

Doch das Bild bleibt unvollkommen und ich spüre da ist noch mehr … über dem Berg, über mir, am Paß, auf dem Grat, auf dem Gipfel; nicht faßbar, unendlich weit und unbegreiflich.

Den Auslöser zu dieser künstlerischen Auseinandersetzung gab meine Umrundung des Heiligen Berges Kailash in Tibet.

Sacri Monti.

 
   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1999 Kailash-Kora, Tibet

 

 

 

 

Sonjas Fernwehtreffen